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27. September 2026

Tiefe Karies: Wann kann eine partielle Pulpotomie den Zahnnerv erhalten?

Zahnarzt untersucht einen älteren Patienten im Behandlungsstuhl

Sehr tiefe Karies kann den Zahn­nerv, die soge­nannte Pulpa, reizen oder entzün­den. Viele Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten verbin­den diese Diagnose sofort mit einer Wurzel­ka­nal­be­hand­lung. Je nach Befund kann jedoch ein zahn­erhal­ten­des Vorge­hen möglich sein: Bei einer parti­el­len Pulpo­to­mie wird nur ein kleiner Teil des entzün­de­ten Pulpa­ge­we­bes entfernt. Das tiefer liegende, noch erhal­tungs­fä­hige Gewebe bleibt im Zahn.

Was ist eine partielle Pulpotomie?

Nach der Entfer­nung der Karies und der Eröff­nung der Pulpa entfernt die Zahn­ärz­tin oder der Zahn­arzt einige Milli­me­ter des ober­fläch­li­chen Pulpa­ge­we­bes. Anschlie­ßend wird geprüft, ob die Blutung kontrol­liert werden kann. Das verblei­bende Gewebe wird mit einem dafür vorge­se­he­nen Mate­rial abge­deckt und der Zahn dicht verschlos­sen.

Das Ziel ist nicht, eine notwen­dige Wurzel­ka­nal­be­hand­lung zu vermei­den. Entschei­dend ist viel­mehr, biolo­gisch erhal­tungs­fä­hi­ges Gewebe zu bewah­ren, wenn Unter­su­chung und Behand­lungs­ver­lauf dafür spre­chen. Ist die Pulpa nicht mehr erhal­tungs­fä­hig, kann weiter­hin eine Wurzel­ka­nal­be­hand­lung erfor­der­lich sein.

Was zeigt die neue Studie?

Eine am 18. Septem­ber 2026 veröf­fent­lichte rando­mi­sierte klini­sche Studie unter­suchte 139 erwach­sene Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten mit tief kariö­sen, blei­ben­den Backen­zäh­nen. Vergli­chen wurden zwei bioke­ra­mi­sche Mate­ria­lien für die Abde­ckung nach einer parti­el­len Pulpo­to­mie. Nach 24 Monaten lag die Erfolgs­rate in beiden Gruppen bei rund 91 Prozent; zwischen den Mate­ria­lien zeigte sich kein statis­tisch signi­fi­kan­ter Unter­schied.

Für die Einord­nung wichtig: Die Studie verglich zwei Mate­ria­lien inner­halb eines klar fest­ge­leg­ten Behand­lungs­pro­to­kolls. Sie belegt nicht, dass eine parti­elle Pulpo­to­mie bei jeder tiefen Karies geeig­net ist. Als mögli­cher Hinweis für die Prognose erwies sich unter anderem, wie rasch die Blutung während der Behand­lung kontrol­liert werden konnte.

Wann kann das Verfahren infrage kommen?

  • Der Zahn ist erhal­tungs­wür­dig und kann anschlie­ßend zuver­läs­sig dicht versorgt werden.
  • Die klini­sche Unter­su­chung und gege­be­nen­falls die Rönt­gen­dia­gnos­tik ergeben keinen Befund, der gegen einen Pulpaer­halt spricht.
  • Die Blutung aus der Pulpa lässt sich während der Behand­lung in einem vertret­ba­ren Zeit­raum kontrol­lie­ren.
  • Regel­mä­ßige Nach­kon­trol­len sind möglich.

Beschwer­den allein reichen für die Entschei­dung nicht aus. Schmerz­art, Dauer, Reak­tion auf Kälte oder Wärme, Klopf­emp­find­lich­keit, Rönt­gen­be­fund und der tatsäch­li­che Zustand des Gewebes während der Behand­lung müssen zusam­men beur­teilt werden.

Was sollten Patientinnen und Patienten wissen?

Nach einer vital­erhal­ten­den Behand­lung sind Verlaufs­kon­trol­len wichtig. Neue oder zuneh­mende Schmer­zen, eine Schwel­lung oder anhal­tende Aufbiss­emp­find­lich­keit sollten zeitnah unter­sucht werden. Auch bei zunächst gutem Verlauf kann später eine weitere Behand­lung notwen­dig werden.

Fazit: Die parti­elle Pulpo­to­mie erwei­tert bei ausge­wähl­ten tief kariö­sen Zähnen die Möglich­kei­ten des Zahn­erhalts. Ob sie im indi­vi­du­el­len Fall sinn­voll ist, lässt sich erst nach sorg­fäl­ti­ger Diagnos­tik und häufig erst während der Behand­lung beur­tei­len.

Quelle und Evidenzstatus

Inter­na­tio­nal Endodon­tic Journal, 18.09.2026, PMID 42755412. Rando­mi­sierte klini­sche Studie mit 139 Erwach­se­nen und 24 Monaten Nach­be­ob­ach­tung. Aussa­ge­kraft: direkte klini­sche Vergleichs­da­ten, jedoch eine einzelne Studie mit defi­nier­ten Ein- und Ausschluss­kri­te­rien; keine allge­meine Thera­pie­emp­feh­lung für jeden tief kariö­sen Zahn.

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